
Laufzeit: 28.August 2026 - 30. Mai 2027
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Klingel bei Anna – 100 Jahre queeres Leben in Lichtenberg
Lichtenberg wird bislang nur selten mit queeren Lebenswelten in Verbindung gebracht. Während Berlin häufig als Regenbogenhauptstadt wahrgenommen wird, bleibt der Bezirk in Erzählungen über queere Geschichte und Gegenwart oft unerwähnt. Tatsächlich lassen sich in Lichtenberg zahlreiche Spuren queeren Lebens finden – von der Bezirksgründung 1920 über die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus und die DDR bis in die Gegenwart.
Die Ausstellung Klingel bei Anna – 100 Jahre queres Leben in Lichtenberg , kuratiert von Neo Seefried und Karl-Heinz-Steinle, basiert auf einer Forschungsarbeit, die auf Initiative der Queer-Beauftragten des Bezirks, Sabine Pöhl, entstanden ist. Im Mittelpunkt steht der Wohnraum als (geschützter) Ort queeren Lebens. Anhand von Biografien, Freunde*innen-Kreisen, Orten, Zusammenschlüssen und Veranstaltungen zeigt die Ausstellung die Vielfalt queerer Lebensrealitäten in Lichtenberg. Historische Objekte und Fotografien werden mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen verbunden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem neu erschlossenen Nachlass der queeren DDR-Person Anna B. Wein, der ungewöhnliche Einblicke in die Lebenswelten der1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre ermöglicht.
Pressetext
Was erfahren wir über einen Bezirk, wenn wir nicht auf seine Straßen und Gebäude, sondern hinter seine Wohnungstüren blicken? Wer hat hier Freund*innen empfangen, gefeiert, gestritten, geliebt oder Schutz gesucht? Und welche Geschichten bleiben verborgen, solange niemand klingelt? Mit „Klingel bei Anna – 100 Jahre queeres Leben in Lichtenberg“ zeigen die Kurator*innen Neo Seefried und Karl-Heinz Steinle im Museum Lichtenberg erstmals eine umfassende Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart queeren Lebens im Bezirk.
Ausgangspunkt ist nicht ein berühmtes Ereignis oder eine politische Bewegung, sondern eine Wohnung. Wer bei Anna klingelt, überschreitet eine Schwelle: vom öffentlichen Raum ins Private, von einer persönlichen Geschichte zu über 100 Jahren queeren Lebens in Lichtenberg.
Im Zentrum steht der umfangreiche fotografische Nachlass von Anna B. Wein (1954–2024), der erstmals öffentlich präsentiert wird. Seit ihrem 14. Lebensjahr dokumentierte Anna Freundschaften, Beziehungen und ihren Alltag. Ihre Fotografien erzählen von Begegnungen, Intimität, Selbstinszenierung, Gemeinschaft und Rückzug. Sie zeigen nicht nur Menschen, sondern auch die Räume, in denen queeres Leben oft jenseits öffentlicher Sichtbarkeit stattfinden konnte.
Klingeln wird dabei zur Erzählweise der Ausstellung. Jede geöffnete Tür eröffnet neue Perspektiven auf queeres Leben in Lichtenberg. Manche Geschichten sind gut dokumentiert, andere nur bruchstückhaft überliefert, viele gar nicht bekannt. Nicht jede Schwelle lässt sich überschreiten, nicht jede Tür öffnet sich. Gerade darin liegt die Einladung der Ausstellung: weiterzufragen, Leerstellen auszuhalten und Geschichte als etwas zu begreifen, das nie abgeschlossen ist.
Von Anna aus öffnen sich weitere Türen – zu den Geschichten der „Sexualmörderinnen“ Erna Klein und Margarethe Nebbe, zu den Tanzabenden der als Kegelklub getarnten lesbischen Gruppe „Lustige Neun“, zu den Netzwerken der Homosexuellen Interessengemeinschaft Berlin, den Friedenswerkstätten der Erlöserkirche und schließlich in die Gegenwart. So entfaltet sich ein Geflecht aus Biografien, Beziehungen, Netzwerken und Räumen, das queeres Leben in Lichtenberg über mehr als ein Jahrhundert hinweg erzählt.
Die vom Studio SET entwickelte Szenografie und das grafische Konzept von Anna Unterstab greifen diese räumliche Erzählweise auf. Besucher*innen bewegen sich durch Fragmente einer Wohnung, in der Fotografien, Dokumente, Originalobjekte, Nachbildungen und künstlerische Positionen miteinander in Beziehung treten. Ein vielfältiges Begleitprogramm mit Führungen, Abendveranstaltungen und Workshops erweitert die Ausstellung um weitere Perspektiven und lädt dazu ein, Leerstellen gemeinsam zu erkunden. Wer die Recherche vertiefen möchte, findet in der Projektdokumentation „Queer Lichtenberg – gestern und heute“, die im Museum erhältlich ist, weitere Biografien, Orte und Quellen. Die Ausstellung ist bis Ende Mai 2027 im Museum Lichtenberg zu sehen.
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Grafik: Key Visual „Klingel bei Anna – 100 Jahre queeres Leben in Lichtenberg“, Anna Unterstab. Fotografien: FFBIZ – das feministische Archiv, Berlin.
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Begleitprogramm:
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4. September 2026, Lange Nacht der Bilder, 19 und 21 Uhr
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6 September 2026, Sonntag, 14 Uhr
18. September, Freitag, 18:30 Uhr
Drag Quiz mit Katharina Katastrophe und Karma Attitude
Wer kennt sich am besten mit queerer Geschichte und Popkultur aus? Katharina Katastrophe und Karma Attitude – bekannt aus dem Berliner SchwuZ und als Hosts von QueerKosmos – laden zum großen Drag Quiz ein. Tretet in Team Karma oder Team Katastrophe gegeneinander an und sammelt Punkte für den Sieg.
21. Oktober, Mittwoch, 18:30 Uhr
Panel-Diskussion: Was heißt „queer“ auf…?
Migrationsgeschichte und Queerness prägen viele Lebensrealitäten zugleich. In der Panel-Diskussion sprechen queere Migras aus Lichtenberg und Berlin darüber, wie Herkunft, Identität und gesellschaftliche Ausgrenzung zusammenwirken. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf Intersektionalität, Doppelmarginalisierung und gelebte Erfahrungen. In Kooperation mit der AG Migrantische Linke Lichtenberg.
05. November, Donnerstag, 18:30 Uhr
Ohne die Offenheit vieler Zeitzeug*innen gäbe es diese Ausstellung nicht. Im Gespräch mit Co-Kurator Karl-Heinz Steinle erzählen sie von queeren Lebensrealitäten in Lichtenberg, teilen Erinnerungen, Anekdoten und persönliche Perspektiven. Seltene Interview- und Filmausschnitte machen den Abend zu einer lebendigen Begegnung mit queerer Geschichte.
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